Eine Ode an die Nachbarschaft

Wir wissen ja nicht, wo ihr herkommt, aber da, wo wir aufgewachsen sind, nimmt man die Post entgegen und gießt die Pflanzen, wenn die Nachbarn auf Urlaub sind. Man grüßt freundlich, und wenn einem die Eier nach Samstag 12 Uhr Mittag ausgegangen sind, gibt es niemanden im Umkreis der 10 Häuser, der nicht gegen ein Stück Kuchen als späteres Dankeschön etwas aus dem eigenen Vorrat borgen würde. So, wie wir Landhendln es von zuhause gewöhnt waren, begegneten wir auch hier unseren Nachbarn und freuten uns auf die neue Gesellschaft.

Dass diese nicht zwangsläufig freundlich und nett sein muss, fanden wir schon beim Kennenlernen mit unserer Oma von nebenan heraus. Anstatt uns beim ersten Aufeinandertreffen ihren Namen zu verraten, oder uns zumindest zu grüßen, ermahnte sie uns, unbedingt immer die Stiegenhaustüre zu versperren. Jeder Verstoß würde bei der Hausverwaltung gemeldet und Probleme bringen. Well.

Zu unserem Bedauern für die alte Frau ist ihre schlechte Laune wohl ein langfristiges Problem und sie verpackt ihren Frust regelmäßig in Beschwerden über Besuch, Lärm, und eine nicht verriegelte Stiegenhaustür. Vor allem unser Männerbesuch scheint sie so zu interessieren, dass sie genau darüber Bescheid weiß, wie viele verschiedene Jungs bei uns ein und aus gehen. Türspion lässt grüßen. Keine Sorge, liebe Omi, das sind Studienkollegen. Wenn wir ein Laufhaus eröffnen, werden wir Bescheid geben.

Spätestens als wir uns kürzlich aus der Wohnung aussperrten und die Oma baten, ob sie uns ausnahmsweise aus dem versperrten Stiegenhaus lassen könnte, platzte der in ihr angestaute Grant des Tages aus ihr heraus und sie empörte sich über die Frechheit, überhaupt bei ihr anzuklopfen. Dass sie „so etwas“, wie uns zwei, noch nie gesehen hätte, freut uns zwar irgendwie, war aber, glauben wir, nicht als Kompliment gemeint.

Grüße gehen raus.

 

Foto: Shutterstock.com/1000words

 

BIENE

BIENE

Studiert PoWi und Jus und hat dementsprechend gerne das letzte Wort. Dass sie nicht kochen kann, macht ihr wenig aus, denn Schokolade gibt’s auch so zu kaufen. Kuschelt jede Nacht mit ihrem lebensgroßen Teddybären Charly. Die, die immer abwäscht.

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